Die mit „Die erkenntnis-theoretische Unschärferelation“ betitelten und durchnummerierten Bilder haben zwei Ebenen.

Einerseits geht es um die unsere Zeit prägende Digitalisierung der „Welt“, die alles rastert und in bits und bites  zerlegt. Es ist für mich interessant diese Welt fassbar in einer Farbverschiebung darzustellen. Einzelnen Pixeln werden dabei je nach Helligkeitswerten bestimmte Farbwerte zugeordnet. Die Herstellung der einzelnen Farbpixel aus Silikon und das Aufkleben auf den Untergrund machen die Rasterung aufunmittelbare Weise erfahrbar. Die Bilder bestehen aus bis zu 50.000 Pixeln unterschiedlicher Länge.

Die zweite Ebene ist eine philosophische, wie der Titel ja vermuten lässt. Betrachtet man die Welt so wie sie außerhalb unserer Erfahrung wahrscheinlich ist, erscheint uns die Welt befremdlich. Analysiert man alle unsere Erfahrung und unser theoretisches Wissen über die Welt und versucht alles jene zu

eliminieren, was wir zu den Dingen hinter den Dingen hinzufügen, verbleiben wir mit ziemlich leeren Händen.Ohne Dehnung der Zeit durch unseren Perzeptionsapparat bleibt der unmittelbaren Augenblick, der Bruch zwischen Vergangenem und Zukunft, in dem jede Zeit, verschwindet. Ohne diese Dehnung zur konkreten Gegenwart, gibt es das von uns Erfahrbare nicht.

Die Welt aber besteht aus Individuen im Bruch des Augenblicks. Einzelfakten, Individuen, Sachverhalte nicht Arten Familien Gruppen bestimmen die Wirklichkeit. Mit dem ersten Gedanken, den ersten Begriffen, von mir aus auch mit den Erkenntnissen a priori – ohne es all zu genau nehmen zu wollen – fügen wir der Welt etwas zu, was sie fassbar macht, denn ohne diese Zutaten ist sie für uns nicht erfahrbar, aber gleichzeitig  wird sie dabei grundlegend verändert.

Wir rastern die Welt und fügen nach einem bestimmten Konzept Information zu um sie begreifbar zu machen. Wir rastern in Kategorien, teilen ein, verallgemeinern, analysieren und definieren. Mit jeder Definition  verbessern wir unser Verständnis und entfernen uns gleichzeitig von den Dingen die wir suchen.

Bei genügend hoher Definitionsdichte erreichen wir ein Maximum an exakter Erkenntnis (denn wir lesen heraus, was wir vorher an Definition zugefügt haben)  und ein Minimum an Abbildung der realen Welt. Dieses Dilemma nenne ich die erkenntnistheoretische Unschärfe. Es ist nicht möglich sich den Dingen mit menschlichen Begriffen zu nähern ohne gleichzeitig die Information, die man gewinnen will zu verändern, ja im Extremfall zu zerstören. Dieser Konflikt ist fundamental.